Donnerstag, 28. Juli 2011

28-Jul-2011

Ort:                     Bukhara, Usbekistan,
Wetter:               sonnig und bis 41°C

Heute Morgen um 08:15h haben wir Beat verabschiedet. Er wird via Taschkent und Istanbul nach Zürich zurückkehren. Damit sind wir noch 14 (mit lokalem Guide und Reiseführer aus der Schweiz). Wir werden uns dann am 20. August in Konolfingen bei Bern wieder sehen.
Für uns stand wieder ein interessanter und lehrreicher, aber auch sehr heisser Tag in Bukhara bevor. Da die Sehenswürdigkeiten nun etwas ausserhalb der Altstadt lagen, benutzten wir unsere eigenen Fahrzeuge und fuhren zuerst zur Bahouddin Nakshband Moschee, welche als Pilgerort für Muslime aus ganz Zentral-Asien gilt. Hier fielen wir als Fremde wirklich auf, wurden aber immer sehr freundlich gegrüsst und mussten auf manches Foto mit drauf.
Ferner besichtigten wir die alte Zitadelle der Stadt, den Ort, wo Bukhara eigentlich entstanden ist (nur von aussen einsehbar, da innen noch stark zerstört), die Bolo-Xauz Moschee (18. Jahrhundert) und die Chashma-Ayub Moschee (12. – 14. Jahrhundert). Alles sehr interessante historische Bauten, zu denen uns unser lokaler Guide immer viel Informationen und Geschichten vermitteln konnte. Die zwei Höhepunkte des Tages waren aber die Besichtigung des Stadttores Chor-Minor (ein Tor mit 4 Türmen, bedeckt mit türkisfarbigen Kuppeln) sowie die älteste Moschee der Welt, der Ismail Samoniy Moschee aus dem 9. Jahrhundert. Das Gebäude ist relativ klein und kunstvoll aus gebrannten Ziegelsteinen gebaut. Von unten nach oben geht der quadratische Bau in ein Acht-Eck, dann ein 16-Eck und schlussendlich in einen Kuppelbau über, wobei die Ziegelsteine so verlegt sind, dass sich herrliche Musterungen ergeben. Der Bau hat die Zerstörungen der Mongolen nur dadurch überlebt, dass er halb im Sand vergraben und mitten in einem Friedhof stand, und so nicht als Moschee erkannt wurde, sondern mehr ein Mausoleum darstellte. Wunderbar!
Nach dem Mittagessen haben wir in einem Supermarkt für morgen Wasser und leichtes Essen eingekauft. Morgen werden wir Usbekistan verlassen und nach Turkmenistan einreisen. Wir wollen für die Grenzformalitäten gewappnet sein!
Total erledigt und verschwitzt sind wir zum Hotel zurück gekehrt und haben den Nachmittag zur freien Verfügung. Ich werde sicher auch noch den Pool aufsuchen!

Mittwoch, 27. Juli 2011

27-Jul-2011

Ort:                     Bukhara, Usbekistan,
Wetter:               sonnig und über 40°C (gefühlt)

Das Frühstücksbuffet hier im Hotel Asia ist herrlich und bietet alles, was das Herz begehrt. Frisch gestärkt und gut ausgeschlafen, trafen wir uns vor 09:00h in der Reception zum ersten Teil der Stadt-Besichtigung.
Im Vergleich zu Samarkand fällt auf, dass die Bauten sehr häufig nicht oder nur wenig mit farbigen Kacheln, Mosaik oder Majolica geschmückt sind, sondern die Fassaden in einem Braunton, dem natürlichen Farbton der Ziegelsteine, gehalten sind. Oftmals wurden die Ziegelsteine aber so kunstvoll verlegt, dass sich wiederum sehr schöne Musterungen der Bauwerke ergeben. Lediglich Kuppeln und Eingangsportale sind zum Teil mit farbigen Kacheln geschmückt.
Besichtigt haben wir die Kalon-Moschee mit einem wunderschönen und sehr hohen Minaret (zweit-grösste Moschee von Zentralasien), die Mir-Arab Koran-Schule (wo heute noch Prediger ausgebildet werden), die Ulugbek Koran-Schule, die Sayfiddin Karavanserei aus dem 19. Jahrhundert, sowie die älteste Moschee Zentralasiens, die Magoki Attori Moschee, welche im 12. Jahrhundert erbaut worden ist.
Erschlagen vom Gesehenen und Gehörten, wurde uns in einem kleinen Restaurant ein leichtes Mittagessen serviert.
Der Nachmittag steht uns zur freien Verfügung und wird für Shopping, individuelles Sightseeing, Ausruhen und Baden im Hotelpool zur Verfügung. Ich bin soeben vom Shopping zurück und bin erschlagen von der Hitze und Trockenheit.
Jetzt geht’s in den Pool und heute Abend wollen wir das warme Licht der Abendsonne nutzen, um nochmals ein paar Fotos der Altstadt von Bukhara zu schiessen.

26-Jul-2011

Ort:                     von Samarkand nach Bukhara, Usbekistan, 350km 
Wetter:               sonnig und bis 39°C

Nach einem guten Frühstück packten wir wieder einmal unsere Autos und verabschiedeten wir uns um 08:30h vom Hotel Orient Start in Samarkand. Da wir beabsichtigten, die Ueberreste des Palastes des grossen Kriegsherrn ‚Amir Temur’ zu besichtigen, fuhren wir nicht in direkter Richtung nach Bukhara, sondern zuerst nach Süden, nach Shabrisabz. Diese Fahrt führte uns über den Pass Tahtakarraca (1788m), wo wir das erste Mal in dieser Region richtige Haarnadel-Kurven zu bezwingen hatten. Kurz nach der Passhöhe stoppten wir bei einem kleinen ‚Restaurant’ an der Strasse und setzten uns in arabischer Manier (d.h. mit gekreuzten Beinen) auf eine Plattform mit Kissen. Dort wurde uns Tee und Wassermelone serviert.
In Shabrisabz parkierten wir unsere Autos vor dem Hotel Orient Start und spazierten zum Park mit Monument und Palast von Amir Temur. Nach nur wenigen Schritten befanden wir uns im Gewühl von Hochzeitsgesellschaften und Hochzeitspaaren. Der Park und das Monument von Amir Temur stellen eine Art ‚Wallfahrtsort’ für Hochzeitspaare dar, die sich hier filmen und fotografieren lassen. Ab sofort waren auch wir als Fremde ‚Fotoobjekte’ und es wurde gegenseitig fotografiert und gefilmt!
Vom Palast des grossen Fürsten ‚Amir Temur’ ist nur noch eine Eingangspforte bruchstückhaft erhalten. Der Palast wurde 1380 bis 1404 erbaut und hatte enorme Dimensionen. Allein die teilweise zerstörte Eingangspforte ist 22.5m breit und 38m hoch und war die grösste in ganz Zentralasien. Teilweise erhalten sind die beiden Türme zur Seite der Eingangspforte. Mittels einer steilen Wendeltreppe mit hohen Stufen in einem der Türme konnten wir auf eine Plattform klettern, von wo aus wir eine herrliche Rundsicht über den Park und die Stadt Shabrisabz geniessen konnten.
Nach einem leichten aber feinen Mittagessen im Hotel Orient Star fuhren wir dann in allgemeiner Richtung Nord-Westen nach Bukhara. Die Hauptstrasse A380 ist ein breites Band Teer, das grösstenteils schnurgerade durch die Landschaft führt. Zügig, mit z.T. über 100km/h rollten wir durch eine Gegend, die immer karger, immer trockener und immer wüstenhafter wurde. Und stets mussten wir Löchern und aufgeweichten Teer-Rillen ausweichen, sodass wir in Schlangenlinie über die Strasse huschten. Links und rechts des Teerbandes immer mehr Sand und Sanddünen und immer weniger trockenes Buschwerk. Starker Wind von rechts blies auf gewissen Abschnitten sogar Sand über die Strasse.
Unterwegs versuchten wir an verschiedenen Tankstellen Diesel zu bekommen. War gar nicht so einfach, da der Staat die Verteilung von Benzin und Diesel sehr restriktiv handhabt und die meisten Fahrzeuge (auch die ältesten Modelle!) auf Gas umgestellt worden sind. Usbekistan hat kein eigenes Erdöl, ist aber reich an Erdgas. Aber wir schafften es dann doch an 2 verschiedenen Tankstellen Treibstoff zu bekommen, sodass wir für die Weiterfahrt gerüstet sind.
In Bukhara eingetroffen, haben wir zuerst an einer Tankstelle die Luftfilter und Pollenfilter gereinigt (mit Druckluft durchgeblasen) und sind dann zum Hotel Asia gefahren, welches ein paar Schritte von der Altstadt entfernt ist. Zu Fuss spazierten wir zu einem italienischen Restaurant, und die meisten von uns bestellten Penne al arabiata mit einem kleinen Salat. Auch das musste mal wieder sein!

Montag, 25. Juli 2011

25-Jul-2011

Ort:                     Samarkand, Usbekistan 
Wetter:               sonnig und bis 34°C

Nach einer weiteren sehr ruhigen Nacht hier in Samarkand ging’s heute zur zweiten Erkundung von Samarkand. Als erstes fuhren wir mit unseren Autos zum Mausoleum Amir Temur, welches wir gestern Abend nach dem Nachtessen mit Beleuchtung noch kurz besichtigt hatten. Auch am Tag ist dieser Bau sehr eindrucksvoll mit seinen türkis-farbigen Kuppel, den zwei Türmen und dem Hauptbau. Der Eingangsbogen zum Mausoleum ist sehr reich mit farbigen Kacheln und Ornamenten versehen und im Mausoleum ist viel mit Blattgold verziert, was einen sehr reichen Eindruck vermittelt. Wiederum ein sehr eindrückliches Monument.
Weiter ging’s zur Gräberstadt Shakhi Zinda, wo sich in früheren Zeiten reiche und bekannte Persönlichkeiten eigene Mausoleen errichten liessen. Auch diese sind grösstenteils reich mit farbigen Keramikplatten, Mosaikwerk und Ornamenten versehen und über den Eingängen sind oft philosophische Sätze festgehalten.
Wiederum reich von Eindrücken fuhren wir dann in eine Seidenmanufaktur, wo uns die Herstellung und Färbung von Seide erklärt wurde. Leider war die Spinnerei nicht in Betrieb, aber wir konnten die Teppich-Knüpferei besichtigen, wo eine Vielzahl von zarten und jungen Händen an verschiedenen Seidenteppichen in flinkem Tempo arbeiteten. Wie nicht anders zu erwarten, führte man uns dann in einen Show-Room, wo die Produkte der Manufaktur angeboten wurden. Einige dieser Produkte werden auch den Weg in die Schweiz finden…
Das Mittagessen wurde uns durch eine private Gastfamilie irgendwo in einem schönen Innenhof der Stadt gereicht. Es gab Salate, Gemüse und Fleisch, Wassermelone und zum Abschluss türkischen Kaffee oder Tee und Wodka, für diejenigen die Lust hatten.
Für den Nachmittag wäre wieder Baden und Relaxen vorgesehen gewesen. Aus dem Baden wird nix, das sie gerade den Pool auspumpen. Dann belassen wir es halt beim Relaxen und Internet-len, da Samarkand während der 2 letzten Tage ohne Internet-Verbindung war. Warum auch immer!
Und morgen geht’s dann weiter nach Bukhara, eine weitere wichtige Stadt an der Seidenstrasse.

Heute habe ich wieder Fotos an Cédric übermittelt und hoffe, dass er Zeit findet, diese in mein Fotoalbum hochzuladen. Gemäss Telefon gestern hat er es sehr streng, vielleicht braucht es etwas Geduld. Jetzt schon herzlichen Dank an Cédric!

24-Jul-2011

Ort:                     Samarkand, Usbekistan 
Wetter:               sonnig und sehr warm

Heute konnten wir gemütlich ausschlafen und trafen uns erst um 09:00h zum ersten Ausflug in die Stadt. Auf dem Programm standen der Besuch des lokalen Marktes (Bazar), die Besichtigung der Moschee Bibi-Khanoum und der Medersa (Koranschule und Universität) d’Oulougbek.
Mit Taxis fuhren wir zu den lokalen Markthallen. Dort herrschte noch nicht volle Betriebsamkeit, da wir etwas früh dort waren. Und doch war es toll dem Treiben zuzusehen, von den verschiedenen Produkten zu probieren, die uns geboten wurden (Gewürze, Nougat, Kandiszucker, Süsswaren, Käse-Bällchen, Caramel und vieles mehr), Fotos zu machen und einfach zu geniessen.
Anschliessend schlenderten wir zur zweitgrössten Moschee in Zentral-Asien, die Moschee Bibi-Kahnoum. Diese wurde in den Jahren 1399 bis 1404 erbaut, überlebte einige Feldzüge und Erdbeben, wurde mehrfach restauriert und zeigt sich in herrlicher Farbenpracht. Eingangstore, Wände, Türme und Kuppeln sind überzogen mit farbigen Kacheln, meist in den Farben türkis, blau, gold und grün. Die Moschee selber ist nicht mehr ‚in Betrieb’ weist sie doch erhebliche Schäden und Risse in den Wänden und dem Kuppelbau auf, welche vorerst nur notdürftig repariert worden sind.
Das Highlight des Tages war die Besichtigung der Mederesa d’Oulougbek (erbaut 1417 bis 1420) am Registan Platz. Auch diese Bauten lagen ziemlich darnieder, bis zur Zeit der UdSSR die Russen viel Geld in den Wiederaufbau investiert hatten. Heute erstrahlen die 4 Bauten um den Registan Platz fast wieder in alter Pracht. Zu sehen sind verschiedene Kuppelbauten, grosse Eingangstore und Türme, alle wunderbar mit farbigen Kacheln belegt und mit Inschriften versehen. Die Augen wussten gar nicht, wohin sehen, was aufnehmen und was festhalten. Nur Bilder können einen Eindruck vermitteln.
Müde von den Eindrücken genossen wir in einem Restaurant mit Innenhof ein leichtes Mittagessen und rauchten danach eine gute Shisha (Wasserpfeife). Zurück im Hotel geht’s nun ab in den Pool. Morgen stehen weitere Besichtigungen in Samarkand an…  

Freitag, 22. Juli 2011

22-Jul-2011

Strecke:              von Chimkent, Kasachstan, nach Taschkent, Usbekistan, 315km 
Wetter:               sonnig bis 41°C

Nach 5 Tagen in Kasachstan stand heute wieder ein Grenzübertritt auf dem Programm, und zwar nach Usbekistan. Der direkte Weg von Chimkent nach Taschkent, dem Ziel des heutigen Tages, wäre nur rund 160km lang, doch da die Grenze auf dieser Hauptstrasse noch nicht für Fahrzeuge benutzbar ist, mussten wir einen Umweg von weiteren 150km mit einrechnen. Für einige von uns wurde diese Fahrt zum Leidensweg, hat doch bei 4 bis 5 von unserer Reisegruppe irgend ein ‚Käfer’ zugeschlagen, was zu Erbrechen und Durchfall führt.
Bei drückender Hitze erreichten wir die kleine Grenzstation, und die Ausreiseformalitäten gingen zügig voran, bis ein Zöllner bemerkte, dass uns ein Stempel im Pass fehlt. Dieser Stempel hätte an der russisch-kassachischen Grenze eingetragen werden sollen, da wir mehr als 5 Nächte in Kasachstan geblieben sind. Die Folge: 2.5 Stunden warten, zähe Verhandlungen unserer Reiseleitung mit den Zollbeamten, bis man einen Weg fand: Ausfüllen eines detaillierten Protokolls für jeden von uns, mit Entschuldigung, warum dieser Fehler unterlaufen sei. Es waren schlussendlich 6 Seiten Papier (für jeden) auf Kyrillisch, die wir unterzeichnen mussten (wir hätten uns selber verkaufen können!). Aber es klappte! Mit diesen Papieren wurden unsere Pässe abgestempelt und wir durften ausreisen. Dann erst kam die Einreise nach Usbekistan! Für die Passagiere ging das problemlos über die Bühne. Aber wir Fahrer mussten wieder zusätzliche Informationen über das Fahrzeug angeben, die Papiere wurden im Detail überprüft und dann abgestempelt. Aber noch nicht genug: alles Gepäck musste aus den Fahrzeugen geholt und zum Scannen gebracht werden, der Motorraum wurde geprüft, jedes Fach geöffnet und geprüft, und wo sich Medikamente oder andere unbekannte Geräte gefunden wurden (z.B. ein Pneudruckgerät) mussten wir erklären, wofür diese benutzt werden. Erst dann wurden unsere Fahrzeuge freigegeben und konnten wir zu unseren Passagieren fahren, die in der Hitze auf uns warteten.
Die restliche Fahrt in die Hauptstadt Taschkent ging dann zügig von statten. Und wieder einmal bemerkten wir mit grossem Erstaunen den Wechsel von einem Land ins andere. Hier grosszügige und gut gepflegte Strassen, moderne und saubere Autos aller Marken, links und rechts der Strasse Landwirtschaft (z.B. Baumwolle) mit Bewässerung, wiederum Häuser statt Hütten, und in Taschkent selber Prunkbauten, weite Alleen, grosse Parkanlagen, und ein top Hotel!
Hier in Taschkent schliessen wir den ersten Teil unserer grossen Reise vom Orient in den Okzident ab und werden den zweiten Teil einläuten. Dies werden wir heute Abend mit einem gemeinsamen Nachtessen feiern und dabei Claudia, unsere bisherige Reiseleiterin, wie Giorgio, unseren technischen Begleiter und einer der Fahrer, verabschieden; sie werden morgen in die Schweiz zurück fliegen. Begrüssen konnten wir bereits unsere Reiseleitung für den 2. Teil, Andrea. Mit ihr werden wir die Fahrt durch Usbekistan – Turkmenistan – Iran – Türkei – Griechenland – Italien – Schweiz fortsetzen. Wir freuen uns darauf!

21-Jul-2011

Strecke:              von Almaty nach Chimkent, Kasachstan, 720km 
Wetter:               sonnig bis 34°C

Nach einer kurzen Nacht ist um 5:00h Tagwache. Um 06:00h treffen wir uns alle in der Lobby, verladen unser Gepäck und fahren um 06:15h los. Noch vor dem grossen Morgenverkehr schaffen wir es so, die Stadt zu verlassen und so den langen Weg nach  Symkent (oder Chimkent) in Angriff zu nehmen. Nach gut einer Stunde machen wir Halt und packen unser Frühstücks-Picknick aus.
Die direkte Route würde uns von Almaty nach Bischkek führen. Da diese Stadt jedoch in Kirgistan liegt, wir für dieses Land aber kein Visum haben, müssen wir einen kleinen Umweg über Su (oder Schy) fahren, bevor wir wieder südwestwärts Richtung Symkent (oder Chimkent) vorstossen können. Leider treffen wir vor dem Mittagshalt noch bei einer Unfallstelle ein, wo vor wenigen Minuten ein kleiner Lieferwagen mit einem Reisebus zusammengestossen ist. Beide Fahrzeuge wurden von der Strasse geschleudert, viele Menschen irren oder stehen herum, manche sitzen am Strassenrand und helfen einander. Da einer unserer Mitfahrer Arzt ist, halten wir an. Er und unsere Reiseleiterin bieten erste Hilfe an noch bevor die Polizei einfährt. Zum Glück war den meisten Buspassagieren nichts oder nur wenig passiert, der Busfahrer kam mit einem Schock davon. Für den Fahrer des Lieferwagens kam jedoch jede Hilfe zu spät. Mit gedrückter Stimmung setzten wir unsere Reise in Richtung Chimkent fort…
Bald waren wir wieder auf der Hauptverbindung Almaty – Bischkek – Tashkent – Samarkand (wichtige Städte an der alten Seidenstrasse) und konnten links und rechts unserer Strasse riesige Strassenbauplätze sehen, wo mit modernsten Maschinen Erde verschoben, Brücken gebaut, Fundamente gelegt, ausgeebnet und betoniert wurde. Hier entsteht die Autobahn Europa – Asien, welche bis nach Peking reichen soll. Ein Riesenprojekt! Zum Teil konnten wir schon auf Autobahnabschnitten fahren und müssen neidlos zugestehen, dass die wissen, was sie tun. Die Fahrbahn ist absolut eben; besser als diejenige von Pratteln nach Basel!
Nach über 14h Reisezeit sind wir dann nach 20:30h bei unserem Hotel hier in Symkent eingetroffen. Wir haben nur kurz ausgepackt und bestellten uns in einem kleinen Restaurant Schaschlik Fleisch-Spiesse, bevor wir uns todmüde ins Bett legten.   

20-Jul-2011

Strecke:              von Sarkand nach Almaty (Alma Ata), Kasachstan, 430km 
Wetter:               sonnig und gewitterhaft, bis 30°C

Nach einer regnerischen Nacht werden wir wieder durch Sonnenschein geweckt. Die Luft ist wieder klar und die Sicht bestens. Nach einem guten Frühstück fahren wir zügig dem heutigen Ziel, Almaty (alter Name: Alma Ata), entgegen. Die Strassen sind für kasachische Verhältnisse recht gut, zum Teil sogar zweispurig, aber immer wieder gilt es Löcher zu umfahren oder schlechte Passagen zu meistern. Nach dem Mittagessen sehen wir, wie sich in der Ferne der Himmel verdunkelt und eine komisch braune Farbe annimmt. Je näher wir kommen, desto dunkler wird der Himmel, bis wir schlussendlich durch einen waschechten Sandsturm durchfahren.
Almaty empfängt uns schlussendlich im Gewitterregen. Nach einigem Suchen finden wir das Hotel Otrar und beziehen unsere gut eingerichteten aber kleinen Zimmer. Das Hotel liegt sehr zentral in der Nähe der wichtigsten Sehenswürdigkeiten, wie orthodoxe Dom-Kirche, Green Market und Moschee. Zu Fuss und in kleinen Gruppen können wir diese Oertlichkeiten besuchen. Der Dom ist aussen sehr farbig gehalten und innen reich mit Bildern, Goldornamenten und Ikonen geschmückt; wir können sogar einer Messe beiwohnen. Der Green Market ist ein Sammelsurium von verschiedensten Markständen, wo alles angeboten wird, was das Herz begehrt. Ich kaufe mir ein neues paar Lauf-Sandalen für CHF 15.00, da meine alten total durch ‚gelatscht’ sind.
Zum Nachtessen beschliessen wir zu viert, ein italienisches Lokal zu suchen. Die Reception empfiehlt uns ‚Passione Italiano’ und schreibt uns die Adresse in kyrillischer Schrift auf einen Zettel. Da wir kein Taxi finden, stoppen wir am Strassenrand ein Auto (wie das hier so üblich ist), geben dem Fahrer den Zettel, vereinbaren den Preis von 400 Tengge (ca. CHF 2.40) und der Fahrer bringt uns mit einigem Suchen und Nachfragen vor die Tür des Restaurants. Schon von aussen macht es einen sehr gepflegten und nicht billigen Eindruck. Wir bekommen auf der Terrasse einen schönen Tisch zugewiesen und stellen uns das Menu zusammen: zum Apéro Martini bianco oder Campari, zur Vorspeise Salate und zum Hauptgang Pizzen. Alles war super zubereitet und wurde wunderschön präsentiert, auch der Expresso war hervorragend. Unser Bargeld reichte nicht um den Schaden zu bezahlen, aber dazu gibt es ja auch Kreditkarten!
Nachdem wir wieder durch einen ‚Privat-Fahrer’ zum Hotel zurück gebracht worden sind, beschliessen wir den Tag bei einem Cognac in der Bar.

19-Jul-2011

Strecke:              von Ajaguz (Argöz) nach Sarkand, Kasachstan, 360km 
Wetter:               dunstig, bis 36°C

Nach einer ruhigen und guten Nacht weckt mit um 06:00h die Sonne. Statt liegen zu bleiben, stehe ich auf und spaziere zum Bahnhof von Ajaguz, von wo Lokomotiv-Hupsignale durch die noch ruhige Ortschaft tönen. Am Bahnhof rege Betriebsamkeit und viele Leute, die auf den Zug von Almaty warten. Gegen 7:00h lassen weitere Signale aus der Ferne die Ankunft des Zuges erahnen, und kurz darauf schnaufen 2 gewaltige Diesellokomotiven mit einem langen Personenzug in den Bahnhof ein. Dann ein Gewimmel von Personen die ein- und aussteigen, am Bahnsteig etwas zum Frühstück kaufen oder von Verwandten begrüsst werden. Dann muss ich zurück zum Hotel, um unser Frühstück nicht zu verpassen!
Nach reichem Frühstück mit Spiegeleiern, Milchreis, Brot, Butter, Konfitüre und Kaffee verlassen wir Ajaguz und haben diesmal die lokale Reiseleiterin Leima als Begleiterin in unserem Fahrzeug. Sie schildert uns in sehr gutem Französisch viel über die Geographie, Geschichte, Entwicklung, Wirtschaft, politisches System von Kazachstan und beantwortet geduldig unserer zahlreichen Fragen. Manchmal haben wir das Gefühl, dass da einiges beschönigt wird und ein natürlicher Nationalstolz durchsickert, aber das ist durchaus in Ordnung. Auf jeden Fall lernen wir viel und die Fahrt auf den einigermassen guten Strassen vergeht wie im Flug. Da die guten Leima ununterbrochen sprechen kann, verlangen wir zwischendurch mal eine Pause und hören Andrea Bodgelli und Il Divo (hab ich das wohl richtig geschrieben) ab CDs von Leima. Super!
In Andrejevka, dem Knotenpunkt zwischen den Nationalstrassen A350 und A355 finden wir zahlreiche kleine Restaurants und wählen eines mit einer schönen Terrasse aus. Dort gibt es Suppe und kasachische Raviolis (ähnlich chinesische Dumplings) zum Lunch. Ganz fein!
Gegen 16:00h treffen wir im kleinen Ort Sarkand ein, finden unseren Gasthof und beziehen die einfachen aber sauberen Zimmer. Duschen und Toiletten wie gestern auf dem Gang, Wasser ab 18:00h. So kaufen ein paar von uns ein Bier, spazieren zum nahe gelegenen Fluss, tauchen unsere Füsse ins kalte Wasser und geniessen das kühle Bier. So wenig kann so schön sein. Unterdessen gehen Leima, Claudia und Anne-Christine auf die Suche nach einem Lokal für ein einfaches lokales Nachtessen. Ich gehe jetzt mal duschen…

18-Jul-2011

Strecke:              von Semey nach Ajaguz (Argöz), Kasachstan, 350km 
Wetter:               sonnig, bis 32°C

Am Morgen können wir ausschlafen bis 08:30h. Beim Bestellen des Frühstückes sind die beiden Angestellten heillos überfordert. Es gibt zwar klare Frühstückmenüs, aber sie bringen alles einzeln und verlieren komplett die Uebersicht. Macht nichts, wir bestellen einzeln nach, bis jeder satt ist. Anschliessend wechseln wir unsere letzten russischen Rubel in die Lokalwährung und gehen in einem Supermarkt einkaufen. Wir sind absolut erstaunt was wir dort alles finden: von Nivea-Produkten, über diverse Colgate-Zahnpasta, Dr. Oetker Produkte, Nutella, Kühne Gewürzgurken, etc. etc. gibt es einfach alles, was das Herz begehrt. Und zu unschlagbaren Preisen!! Wir kaufen Getränke und ein Picknick für den Mittag ein.
Im kleinen Konvoi verlassen wir die Stadt Semipalatinsk. Sobald wir ausserhalb der Stadt sind, verschlechtert sich der Strassenzustand zusehends, bis wir schlussendlich noch mit 30 bis 40km/h vorankommen. Die Strasse ist voller Schlaglöcher, Spurrinnen, Querrinnen, zum Teil praktisch nicht mehr existent, sodass wir gezwungen sind, in Schlangenlinie die beste Fahrspur zu suchen. Und das auf 150km! Wir sind uns einig, dass es in der Mongolei manchmal einfacher war, voranzukommen. Neben der Strasse ist alles steppenartig trocken mit einzelnen Büschen und Bäumen, manchmal sehen wir auch grosse verbrannte Flächen.
An einem kleinen Bach irgendwo in der Pampa stoppen wir, breiten zwei Decken aus und geniessen unser Picknick: Brot, Wurst, Käse, Tomaten, Gurken und Wassermelonen; was will man mehr!
Nach 150km erreichen wir Georgijevka und zweigen auf die A350 ab. Diese Strasse ist grösstenteils besser erhalten und erlaubt eine Geschwindigkeit zwischen 70 und 90km/h. Aber auch hier werden wir kräftig durchgeschüttelt und erhalten manchen Schlag, wenn wir Fahrer ein Loch oder eine Rinne zu spät sehen und praktisch darüber ‚fliegen’. Wir sind dann froh, als wir nach weiteren 200km die Stadt Argöz erreichen und vor dem alten Gasthaus Birjan anhalten. Die Zimmer sind sauber, die Infrastruktur ist alt, Duschen gibt es in drei Zimmern, WCs sind auf dem Gang und Wasser fliesst von 20:00h bis 08:00h. Das ist absolut OK und nachdem wir den ersten Schluck lokales Bier geniessen konnten, sind wir rundum zufrieden. Zum Nachtessen gibt es einen Mischsalat aus Gurken, Tomaten, Weisskohl und anschliessend Rindfleisch mit Reis oder Kartoffelsalat. Sehr fein!
Nach dem Essen spazieren wir zum Bahnhof und beobachten die Abfertigung eines Personenzuges nach Almaty.  

17-Jul-2011

Strecke:              von Barnaul, Russland, nach Semey, Kasachstan, 440km 
Wetter:               sonnig, bis 31°C

Im Hotel ‚Siberie’ erhalten wir ein super Frühstücksbuffet mit allem was das Herz begehrt. Gut gestärkt fahren wir um 08:30h mit all unseren 4 Autos los in allgemeiner Richtung Südwesten. Links und rechts der Strasse befinden sich bis zum Horizont reichende Felder mit verschiedenen Getreidesorten oder Sonnenblumen, ab und zu unterbrochen durch Bauminseln oder Linien von Bäumen, um den Wind zu brechen. In Robcovsk, wenige km vor der Grenze wollen wir einen kleinen Lunch einnehmen, leider ist das Restaurant für eine geschlossene Gesellschaft (Beerdigung) reserviert. So fahren wir bis an die russisch-kasachische Grenze, tanken nochmals voll und reihen unsere Fahrzeuge in die kleine Kolonne vor der Grenze ein. In einem kleinen Laden kaufen wir uns Snacks und warten auf die Grenzabfertigung. Erstaunlicherweise geht es diesmal recht schnell und unkompliziert und nach knapp 2 Stunden verlassen wir die Grenzposten und befinden uns in Kasachstan.
Weiter geht’s ins rund 120km entfernte Semey, das ehemalige Semipalatinsk. Kaum über die Grenze bemerken wir die krassen Unterschiede zu Russland: engere und holprigere Strassen, kaum mehr Verkehrszeichen, ähnlich weite Flächen, die aber nur spärlich bewirtschaftet werden, sandiger Boden, steppenartige Landschaft, verfallene Höfe (ehemalige Kolchosen), verfallende Industriegebäude; verrückt!
Hier in Semey checken wir ins altehrwürdige Hotel Binar (eine Art ‚Kolonialstiel-Bau, mit hohen Decken, Stuckatur an den Wänden und verzierten Tapeten) ein und besichtigen die Stadt mit kleinem Park, alter Holzmoschee und ein paar moderneren Gebäuden. Zum Nachtessen gibt es Schaschlik (auf Holzkohle gegrillte Fleischhäppchen an Spiesschen) mit Gurken- und Tomatensalat und sehr feinem Brot in einem kleinen Restaurant im Park. Bei gutem Bier lassen wir den Tag Revue passieren und diskutieren noch dies und das…
Uebrigens: der Namenwechsel von Semipalatinsk zu Semey wurde darum vorgenommen, weil der alte Name zu fest mit den damaligen russischen oberirdischen Atomtests in Verbindung stand, die im Gebiet von Semipalatinsk statt fanden.

Samstag, 16. Juli 2011

16-Jul-2011

Strecke:              von Gorno-Altajsk nach Barnaul, Russland, 280km 
Wetter:               gewitterhaft, 14 bis 25°C

Nach einer ruhigen Nacht im schönen Hotel am Fluss Katun gibt es ein reichhaltiges Frühstück mit Omeletten, Griestätschli, Crèpes mit Sauercrème, Brot und Konfi. Danach wieder Verladen des Gepäcks in die Autos. Von Giorgio, unserem Techniker und Expeditionskollegen haben wir noch keine News betreffen dem Auto 4 aus der Mitsubishi-Garage in Barnaul erhalten.
Bei Gewitter-Regen nehmen wir die Hauptstrasse M52 in allgemeiner Richtung Novosibirsk unter die Räder. Wir kommen gut voran und lassen die krassen Gegensätze zur Mongolei auf uns wirken: geteerte Strassen, viele Verkehrsschilder, viel Verkehr, grüne Wiesen, landwirtschaftlich angebaute Flächen mit Mais, Buchweizen, Raps, Kartoffeln etc., Wälder mit Birken, Fichten und Lärchen, Ortschaften mit Holz- und Backsteinbauten, Flüsse mit Brücken, etc. etc. Alles wirkt etwas organisierter aber zum Teil noch immer etwas chaotisch.
In Bijsk machen wir einen Halt und besichtigen die gepflegte orthodoxe Kirche mitten im Ort, kaufen Snacks zum Lunch in einem Supermarkt (für mich: warme Chicken-Nuggets, Pringels und einen Eistee) und tanken die Autos wieder voll.
Gegen 14:00h treffen wir beim Hotel ‚Siberie’ in Barnaul ein und was steht auf dem Parking: unser 4. Auto! Giorgio erwartet uns in der Reception und informiert uns, dass der Schaden behoben werden konnte (ein Kabel zur Steuerung des Partikelfilters war sehr wahrscheinlich durch einen Steinschlag beschädigt worden). Die Expedition kann also nach Plan mit allen 4 Autos weitergeführt werden. Wir sind alle heilfroh!
Am Nachmittag individuelle Besichtigung der Stadt Barnaul (u.a. Lenin-Denkmal und Gedenkplatz für Kriegsopfer 2. Weltkrieg).
Uebrigens: Barnaul ist der nördlichste Punkt unserer Reise. Wir liegen ca. auf dem 53. Breitengrad (ähnlich wie Warschau und Berlin) und sind nur rund 220km von Novosibirsk entfernt. Morgen geht es südwärts nach Kazachstan.

Freitag, 15. Juli 2011

Grüsse aus Gorno-Altajsk, Russland


Liebe Blog-Leser

Nach nunmehr etlichen Tagen ohne Internet-Verbindung in den weiten Wüsten, Steppen, Hochebenen und Bergen der Mongolei haben wir gestern Russland erreicht  und sind in einem guten Hotel hier in Gorno-Altajsk untergebracht, wo wir über kostenloses WLAN verfügen können. Super!
Die Reise quer durch die Mongolei, über 2400km grösstenteils auf unbefestigten Pisten, mit einer sehr gastfreundlichen Bevölkerung und einer einmaligen Begleit-Crew (Fahrer, Koch, 2 junge Assistenten), war ein einmaliges Erlebnis, welches in Blog-Einträgen nicht wirklich ‚rüber kommen’ kann. Ich habe bis anhin über 1000 Fotos gemacht und ein paar davon in mein Web-Album eingestellt, um das Bild etwas abzurunden. Unsere Köpfe hier sind voll von Erlebnissen und von Erkenntnissen aus einem riesigen und wunderschönen Land, in welchem die Schweiz x-fach Platz hat und welches nur durch 1.7Mio Mongolen bewohnt wird, wovon 1.3 Mio in der Hauptstadt Ulan Bator!
Heute habe ich meine Blogs wieder updaten können. Für Interessierte gibt es also wieder Lesematerial. Fotos werde ich noch aussortieren und dann via Cédric einstellen lassen.
An dieser Stelle nochmals ein ganz grosses Dankeschön an Cédric, welcher bisher meine Blog-News und Fotos eingestellt hat. Ohne ihn wäre das alles nicht möglich gewesen.
Liebe Grüsse an alle aus Gorno-Altajsk, Südsibirien
Michel

15-Jul-2011

Strecke:              von Ongudaj nach Gorno-Altajsk, Russland, 185km 
Wetter:               teilweise sonnig, bis 25°C

Während wir noch schliefen, hatte die Expeditionsleitung bereits einen Transport für das defekte Fahrzeug organisiert. Ein Lastwagen stand auf dem Parkplatz, um das Auto nach Barnaul zu bringen, wo eine lokale Mitsubishi-Vertretung versuchen wird, den Schaden bis morgen Samstag zu reparieren. Giorgio ist mitgefahren und wird die Arbeiten koordinieren. Wir hoffen alle, dass es klappt…
Die anderen 3 Personen des defekten Autos wurden samt Gepäck auf die 3 restlichen Fahrzeuge verteilt und nach einem guten Morgenessen nehmen wir die Route nach Gorno-Altajsk wieder unter die Räder. Diesmal klappt’s und kurz vor 14:00h treffen wir hier im Hotel ein, beziehen unsere Zimmer, geben Wäsche zum Waschen und nehmen uns viel Zeit zum Umpacken (alle warme Kleidung jetzt unten im Koffer), Retablieren und einfach mal Zeit ‚für uns’. Nach etlichen Tagen haben wir wieder Internet-Verbindung, können unsere Mails einsehen, Blogs bearbeiten, etc. etc.
Morgen geht’s dann weiter nach Barnaul, wo wir hoffentlich unser Auto 4 wieder mitnehmen können!

14-Jul-2011

Strecke:              Von der mongolisch-russischen Grenze nach Ongudaj, Russland, 355km 
Wetter:               sonnig, bis 25°C

Am Vorabend haben wir die leeren Fahrzeuge vor das geschlossene Grenztor gestellt, damit wir am Morgen als erste dran kommen. Und es klappt!
Um 07:30h letztes Morgenessen von unserer Begleitmannschaft. Dann zusammenpacken und zu Fuss ein paar 100m zu den Fahrzeugen. Hinter uns hatten sich schon ca. 20 weitere Fahrzeuge aufgereiht. An der Grenze dann rührende Abschiedszenen von Balou mit seiner Crew. Manch ein Auge wurde nass.
Um 09:00h wurden die Grenztore geöffnet (waren wegen Wochenende und Feiertage für 4 Tage geschlossen!!) und wir können als erster Trupp in die Grenzzone einfahren. Die Ausreiseformalitäten gehen relativ schnell und nach ca. 1h dürfen wir in einem Pulk von 4 Fahrzeugen die 25km ‚Niemandsland’ bis zum russischen Grenzposten durchfahren. Dort warten bereits einige Fahrzeuge (woher die kamen, wussten wir nicht!) und wir werden zur Fahrzeug-Desinfektion aufgeboten. Dann beginnt das lange Warten! In Gruppen von 4 Fahrzeugen darf man in den Grenzsektor einfahren. Vor der Mittagspause (von 13:00h bis 14:00h Grenze geschlossen!!) kommen wir nicht mehr dran. Dann sind wir doch an der Reihe, und können die 90 minütige Prozedur der Ausweis- und Fahrzeugkontrolle über uns ergehen lassen und dürfen nach 16:45h den Grenzposten verlassen. Wir haben für den Grenzübertritt fast 8h benötigt und vor uns liegen noch 480km bis Gorno-Altajsk, wo gemütliche Betten und Duschen auf uns warten. Aber es sollte anders kommen!:
Im ersten Ort nach der Grenze, wechseln wir russische Rubel und kaufen Snacks für die Weiterfahrt ein. Dann werden die Fahrzeuge aufgetankt und los geht die Fahrt. Irgendwo unterwegs gibt es einen Zwischenstopp mit Suppe und Brot und weiter geht’s. Da wir mit durchschnittlich 65km/h vorankommen, rechnen wir mit einer Ankunftszeit von ca. 01:00 bis 02:00 im Hotel. Doch gegen Mitternacht wird das Spitzenfahrzeug immer langsamer und stoppt schlussendlich ganz. Die Warnlampen zeigen ein Problem mit dem Partikelfilter der Auspuffanlage an. Dies hat zum Resultat, dass der Motor die Leistung nicht mehr bringen kann. Da es sich um ein elektronisches Problem handelt, kann Giorgio, unser Mechaniker auch nichts unternehmen und wir beschliessen: Zurück in den nächsten Ort, Garage und Unterkunft suchen. Unsere russische Begleiterin telefoniert wie wild und wir finden tatsächlich eine sich im Bau befindliche kleine Ferienanlage in Ongudaj, wo wir ein paar Zimmer mit ein paar Betten und Bettsofas sowie einer einzigen Dusche beziehen können. Bei einem Bier mit Brot und Käse lassen wir den sehr langen Tag ausklingen.

13-Jul-2011

Strecke:              Vom See Üüreg Nuur an die mongolisch-russische Grenze, 203km 
Wetter:               sehr sonnig, bis 38°C

Wie schon gewohnt, brechen wir unser Zeltlager ab und machen uns auf den letzten Abschnitt in der Mongolei. Vor uns liegen zwei Passüberfahrten und eine weite Hochebene mit verschiedenen Bach- und Flussquerungen. Erste Passstrasse ist zwar steil und steinig, aber wir erreichen den Pass ‚Ogotor Khamar Davaa’ problemlos. Runter geht’s in eine weite Hochebene bestehend aus reinem Schwemm-Material; Steine so weit das Auge reicht und mitten drin verschiedene Bachläufe und ein kleiner Fluss, der doch noch stark Wasser führt und eine rechte Strömung aufweist. Balou, unser Guide, sucht eine sichere Fuhrt und durchquert mit seinem schweren Lastwagen als erster den Fluss. Anschliessend folgen wir mit unseren wesentlich leichteren Mitsubishi und sehen von hinten, wie der erste Wagen fast abgetrieben wird aber doch das andere Ufer erreicht. Los geht’s, einer nach dem anderen durch die Fuhrt und wir erreichen alle sicher das andere Ufer.
Wir durchqueren den Ort Tsagaannuur und fahren einer weiteren Hügelkette entgegen. Die Steinpiste steigt an, das Tal wird eng und enger und der Weg steil und steiler. Auf 2300müM erreichen wir ein paar Jurten und müssen verstehen, dass es mit dem Lastwagen kein Weiterkommen gibt. Also ca. 15km den gleichen Weg zurück auf die Hochebene und eine andere Strasse über die Berge suchen. Balou findet die Hauptverbindungsstrasse und so steigen wir erneut auf 2300müM. Gegen 19:00h erreichen wir einen kleinen (namenlosen) Ort vor dem Grenzposten der Mongolei. Hier errichten wir unser letztes Zeltlager in einem abgeschlossenen ‚Camping’ und geben im Ort unser letztes mongolisches Geld aus.
Nach 2405km Fahrt quer durch die Mongolei (ca 95% auf unbefestigten Pisten) werden wir am Donnerstag 14. Juli dieses wunderschöne, endlos weite, freundliche, farbige und abwechslungsreiche Land verlassen und in Russland einfahren.     

12-Jul-2011

Strecke:              Von Burgaasatayn Ortoo bis an den See Üüreg Nuur, 118km 
Wetter:               sehr sonnig 27 - 30°C

Nach einem guten Morgenessen brechen wir unser Zeltlager ab und fahren nach Ulaangom, der Hauptstadt der Provinz Uvs. Dort suchen reinigen wir unsere Luftfilter mit Druckluft und lassen unsere total verschmutzen Autos reinigen (CHF 2.10 je Auto).
Während dieser guten Stunde spazieren wir durch den Ort und geben unsere letzen mongolischen Geldscheine für Getränke (u.a. Wodka) aus.
Weiterfahrt über den Pas Ulaan Davaa (knapp 2000m). Wegen sehr starker Steigung und losem Schotter erreichen wir die Passhöhe mit Geländeuntersetzung. Auf der Passhöhe ein weiteres Schamanen-Wegmal mit vielen blauen und gelben Stoffstreifen. Wir müssen lange warten, bis unser Begleitlastwagen auch auf der Passhöhe erscheint und begrüssen ihn mit einer ‚Welle’.
Ebenso steil und eng ist die Fahrt runter auf eine weitere schöne Hochebene, wo wir am See ‚Üüreg Nuur’ zum zweitletzten Mal unser Zeltlager aufstellen. In der Weite sehen wir bereits schneebedeckte Berge, die zu Russland gehörn. Nach einem kurzen Schwumm im kalten See verfolgen wir die Vorbereitungen unserer Küchenmannschaft, die ein halbes Schaf gekauft hat und den Mongolen-Topf für uns vorbereitet. Dabei werden Fleischstücke abwechslungsweise mit heissen Steinen in einen grossen Metalltopf gegeben und mit Gemüse auf dem Feuer gegart. Nach ca. 60Min war alles bereit. Das Fleisch schmeckte gut, das Essen war aber etwas schwierig, weil viel Handarbeit notwendig war (Fleisch nicht von Knochen getrennt). Abschluss des Tages mit Wodka und Gesängen unserer Mannschaft.

11-Jul-2011

Strecke:              Von Chjargas Nuur’ National Park bis vor Burgaasatayn Ortoo, 180km 
Wetter:               sehr sonnig 25 - 30°C

Um 08:00h Morgenessen. Anschliessen freie Zeit zur Besichtigung der Umgebung. Auf den vorgelagerten Felsen vor dem Camp finden wir eine Kormoran-Kolonie mit zahlreichen Nesten und vielen Jungvögeln. Tolle Fotomotive!
Unser Mechaniker, Giorgio, prüft unterdessen die Stossdämpfer der Autos, um allfällig schadhafte zu ersetzen (im Logistik-Lastwagen dabei!).
Um 12:30h leichtes Mittagessen im Camp und dann Weiterfahrt. Die ersten 45km fahren wir wieder auf Sand- und Steinpisten. Beim Suchen einer angenehmen Fahrspur vergraben wir uns dabei fast im Sand und kämpfen uns zurück auf die Hauptpiste.
Vor dem Ort Burgaasatayn Ortoo schlagen wir unser Zeltlager auf einem ebenen Platz auf. Aufziehende Gewitter entladen sich über den entfernten Bergen und wir verbringen eine ruhige Nacht. 

10-Jul-2011

Strecke:              See ‚Telmen Nuur’ bis ‚Chjargas Nuur’ National Park, 325km 
Wetter:               bewölkt bis sonnig mit Gewitter, 4 - 27°C

Um 07:00h Morgenessen unter bewölktem Himmel, alle mit dicken Pullovern und Jacken. Rasches Abbrechen Zelte und andere Infrastruktur und Abfahrt. Wir freuen uns auf die Heizung in den Autos. Lange Strecke mit weiterhin schwierigen Bedingungen vor uns.
Znüni-Halt bei einer einsamen Jurte mitten auf weitem Feld. Wir werden in die Jurte eingeladen und dürfen vom heimgemachten Ziegenkäse. Joghurt und Gebäck probieren. Schmeckt zum Teil stark nach Geiss! Unter dem Bett wird das luftgetrocknete Fleisch der gemetzgeten Ziege aufbewahrt, aufgehängt sehen wir Würste und am Rand der Jurte liegt der Kopf: en guete!
Weiter geht die holprige Fahrt durch wechselnde Landschaften. Am Fuss eines Hügelzuges gibt es Mittagessen. Beim Dessert werden wir durch Regen überrascht. Rasch abräumen, einsteigen und Weiterfahrt. Alles trocknet schnell.
Je mehr wir uns dem National Park nähern, desto wärmer wird es. Draussen ändert die Vegetaion von grün und sandig trocken bis Wüstenartig. Wir sinken auf ca 1500 müM. Im National Park verlassen wir dann die ‚Strasse’ und schwenken ein auf eine Sand- und Felspiste, die uns in 50km zum Jurtenlager am Chjargas See bringt.
Hier total trockene und sehr warme Luft. Rasches ‚einpuffen’ in die Jurten, Badehosen anziehen und Schwumm im herrlichen ‚Chjargas Nuur’ (ca 18°).
Zum Nachtessen übertrifft sich unser Koch wiedereinmal selber. Es gibt Glasnudelsalat, Reis, Gemüse, Rindfleisch mit chinesischem Gemüse, Eierspeise und zum Dessert Zimtapfel. Alles aus seinen Vorräten und alles im Lastwagen zubereitet. Wir spendieren grossen Applaus!
Den Tag lassen wir bei Dschinggis-Khan-Wodka ausklingen und verziehen uns dann in die Betten der Jurten.    

9-Jul-2011

Strecke:              ‚Khorgo-Terkhiin’ National Park zum See ‚Telmen Nuur’, 245km 
Wetter:               sonnig mit Gewitter, 20°

Um 05:30h wird in unserer Jurte durch einen Boy der Ofen eingefeuert. Schnell verbreitet sich eine wohlige Wärme.
Schwierige Strecke auf unbefestigten Pisten mit zahlreichen Fluss- und Bachquerungen. Erstes Fahrzeug im Schlamm versenkt. Musste durch Begleitlastwagen mit Stahlseil aus dem Schlamm gezogen werden. Sehr abwechslungsreiche und fordernde Strecke in weiten Tälern und Hochebenen, meist auf Höhen zwischen 1800 und 2100 müM. Gegen Abend weitere Panne: Plattfuss an einem Fahrzeug: Reifenwechsel!
Am Abend aufstellen Zelte am See ‚Telmen Nuur’. Kurzes Schwimmen im kalten See (ca. 15°C) und nachher Aufwärmen an Abendsonne. Nach feinem Nachtessen bei Sonnenuntergang schönes Lagerfeuer am Seeufer.
Nacht war sehr kalt (wenig über Null), aber dank gutem Schlafsack, Isoliermatten und Socken überstehen wir die Nacht, wenn auch ohne viel Schlaf!

8-Jul-2011

Ort:                     Khorgo Terkhiin National Park, 2100 müM, Mongolei
Wetter:               sonnig, ca. 14°C

Am Morgen des 7.7. bekommen wir nach einem guten Frühstück unsere Wäsche zurück: alles nass! Da es am Vortag geregnet hat und die Luft sehr feucht war, konnte die Wäsche nicht getrocknet werden. So packen wir halt die nassen Sachen ein und machen uns bereit für die Weiterfahrt.
Dank einigermassen gut geteerten und befestigten Strassen kommen wir rasch voran und fahren in Richtung Nordwesten dem schönen Wetter entgegen. Vor dem Mittag passieren wir bei Sonnenschein die Bezirkshauptstadt Tsetserleg und machen an einem kleinen Fluss Mittagshalt. Schnell ist alles Gepäck aus den Autos ausgeladen; schnell haben wir Wäscheleinen zwischen den Autos gespannt und alle unsere nasse Wäsche aufgehängt. Ein super Bild! Während die Wäsche trocknet, geniessen wir ein prima Mittagessen an der Sonne, das die Küchenmannschaft für uns hingezaubert hat. Uns geht es wieder bestens!
Nach 237km endet diese Tagesetappe auf 2050m über Meer auf einem Hochplateau mit wunderschönen alten Fichten. An der warmen Sonne bauen wir unsere Zelte auf, erkunden die nähere Umgebung, nehmen eine Dusche (mit kaltem Wasser) und geniessen ein hervorragendes Nachtessen im Mannschaftszelt mit gutem Wein und Kerzenlicht. Was da alles aus dem Lastwagen gezaubert wird, ist unglaublich!
Die Nacht in den kleinen Zelten war dann aber doch sehr kühl. Dank meinem guten Schlafsack und Isoliermatten schlafe ich aber einigermassen gut und wohlig warm.
Am 8.7. empfängt uns der Morgen kühl und mit bedecktem Himmel. Nach Morgenessen und kurzem Spaziergang bauen wir unser Lager ab, verstauen alles im Lastwagen und den Autos und fahren in Richtung Nationalpark ‚Khorgo Terkhiin’. Bald lösen sich die Wolken wieder auf und nach einer kurzen Fahrt finden wir uns  bei Tariat inmitten eines weiteren Nadaam Festivals. Bei strahlendem Sonnenschein geniessen wir das Durcheinander von Pferden, Menschen, Motorrädern, Ess-Ständen und verfolgen das Eintreffen der Rennpferde nach ihrem 30km Ritt. Am Rande des Festival-Geländes verwöhnte uns unsere Crew mit einem feinen Mittagessen (Suppe, Rindfleisch, Reis, Dessert). Anschliessend fahren wir in den Ort Tariat hinein und verfolgen in der Arena die weiteren Feierlichkeiten mit Musik, Gesang, Tänzen und Ringkämpfen.
Gegen Abend fahren wir dann in den Nationalpark ‚Khorgo Terkhiin’, besteigen einen Vulkankrater, von wo wir einen schönen Blick in den Krater aber auch in die weiten Ebenen werfen können. Ueber einen kleinen Pass erreichen wir schlussendlich den See des Nationalparkes (2050 müM) und unser Jurten-Lager für diese Nacht. Die Jurten sind sehr geräumig und komfortabel eingerichtet und wurden gleich bei Ankunft eingeheizt. Wir freuen uns auf eine angenehme und gemütliche Nacht.

6-Jul-2011

Ort:                     Karakorum, Mongolei
Wetter:               Regen, 10-12°C

Gestern Abend genossen wir nach dem Nachtessen eine private Vorstellung einer lokalen Musikgruppe. Mit ihren traditionellen Kleidern und Musikinstrumenten spielte die Gruppe mongolische Volkslieder und begeisterten uns mit dem speziellen Kehlkopf-Gesang. Wir waren absolut begeistert. Den Abend beschlossen wir mit Dschinggis Khan Wodka und schlüpften in den kalten Jurten in unsere warmen Schlafsäcke.
Heute Morgen kaltes aber sonniges Wetter. Da die Reiseleitung beschlossen hatte, noch einen Tag hier in Karakorum zu verbringen, konnten wir unsere Wäsche im Camp zum Waschen geben. Mit den Autos fuhren wir dann zur rekonstruierten Tempelanlage von Karakorum und wurden von einer lokalen Führerin in gutem Englisch in die Geschichte von Karakorum eingeweiht. Karakorum war unter Dschinggis Khan die Hauptstadt der Mongolei, bevor er sie nach Peking verlegte. Leider ist von der alten Hauptstadt nichts mehr zu sehen, da sie dem Erdboden gleichgemacht worden ist. Jüngste Ausgrabungen haben aber viele Schätze hervorgebracht, die in einem Museum ausgestellt sind. Dieses Museum wurde durch die Japaner finanziert und gebaut und wurde am 4. Juni 2011 eröffnet (!). Es bietet unter anderem ein tolles Model der alten Hauptstadt Karakorum und viele Ausgrabungsexponate.
Im Anschluss an das Mittagessen im Camp fuhren wir etwa 30km ausserhalb Karakorum in einen kleinen Ort, wo das jährliche Nadaam-Festival stattfindet. Dies ist ein Volksfest, das an unterschiedlichen Tagen im Juli in verschiedenen Orten der Mongolei stattfindet. Geboten werden Pferderennen und Ringkämpfe sowie natürlich Speis und Trank. Da ein zügiger und sehr kalter Wind (ca 10°C) über die Ebene pfiff und dann wieder Regen dazu kam, fuhren wir wieder zurück nach Karakorum und besuchten einen kleinen lokalen Markt.
Trotz langen Hosen, Socken, Schuhe, Skipullover und Jacke friere ich jetzt hier in unserer Jurte und werde mir eine warme Dusche gönnen. Dann gibt es wieder ein feines Nachtessen und eine gute Kappe Schlaf. Morgen steht eine lange Tagesetappe vor uns.  

5-Jul-2011

Ort:                     Karakorum, Mongolei
Wetter:               Regen, 14°C

Nachdem wir am 1. Juli in die Mongolei eingefahren sind, finde ich hier in Karakorum in einer gemütlichen Jurte wiederum etwas Zeit, um mein Tagebuch (oder meinen Blog) weiterzuführen. Draussen regnet es heftig und es ist wesentlich kühler geworden. Doch nun etwas mehr im Detail:

Mit dem Uebergang in die Mongolei haben wir auch die befestigten Strassen Chinas verlassen und sind seither 975km auf unbefestigten Pisten quer durch die Präfekturen Ost-Gobi, Mittel-Gobi und Zentral-Gobi der Mongolei gefahren. Unbefestigte Pisten heisst: gut befahrbare weiche Sand- oder Feldwege, holprige oder schlagende Wellblech-Pisten, harte und rumpelnde Steinpisten, weiche Steppengras-Fahrwege und anderes mehr. So oder so eine starke Beanspruchung der Fahrzeuge und der Passagiere, die manchmal recht hart durchgeschüttelt werden. Zum Teil steht uns Fahrern ein einzelner Pfad zur Verfügung (z.B. bei Passagen von ausgetrockneten Bächen oder engen Felspassagen), zum Teil gibt es 5 bis 10 Spuren nebeneinander, die parallel über die weiten Ebenen führen und dem Fahrer die Wahl lassen. Manchmal fliegen wir mit bis zu 70km/h über die Ebenen, manchmal müssen wir in den Kriechgang zurück schalten, um starke Steigungen oder tiefe Querrillen zu meistern. Ab und zu lässt es sich nicht vermeiden, dass ein Hindernis zu spät gesichtet wird und wir einen harten Schlag aufnehmen müssen.   
Dem Auge bieten sich wunderschöne Landschaften von weiten Ebenen, sanften Hügeln, dunklen Bergkämmen bis zu chaotischen Siedlungen; von sandig farbigen Steppen, über rote Hügelzüge bis grüne Flusstäler und Ebenen, von einsamen Gegenden ohne sichtbares Leben über Gebiete mit Ziegen- und Schafherden bis zu Ansammlungen von wildlebenden Pferden und vereinzelten Kamelen. Wir werden müde vom Erleben und Geniessen.
Die Verpflegung wird durch unsere Begleitmannschaft sichergestellt, die alles Essen für Morgen, Mittag und Abend mitführt und immer frisch vorbereitet. Uebernachtet wird jeweils in Camps. Am 2.7. abends haben wir kurz vor einem Gewitter unsere kleinen 2er-Zelte auf einer wunderschönen einsamen Ebene ausserhalb Sainshand (Ost-Gobi) aufgestellt. Am 3.7. abends haben wir ein Jurten-Camp ausserhalb Mandalgobi (Mittel-Gobi) bezogen (Jurten sind die traditionellen runden Behausungen der mongolischen Nomaden). Am 4.7. sind wir durch ein heftiges Gewitter gefahren, was die unbefestigten Fahrwege sofort in tiefen Morast und sehr weichen Untergrund verwandelte, was Fahrzeug und Fahrer zusätzlich forderte. Uebernachtet haben wir am Fusse eines Berghangs in den eigenen Zelten. In der Nacht auf heute hat es stark gewindet und geregnet, was uns nicht allzu viel Schlaf bescherte. Heute Morgen wieder Sonnenschein und bei Einfahrt in Karakorum erneut starker Regen und Wind. Hier haben wir wiederum ein Jurten-Camp bezogen und geniessen ein paar Stunden der Ruhe. Eigentlich wollten wir Wäsche waschen, aber bei dem Regen und Wind wird nichts draus. Wir müssen das auf später verschieben …

01-Jul-2011 - Teil 2

Ort:                     Zamiin Uud, Ostgobi, Mongolei
Wetter:               sonnig, 34°C
               
Nach Frühstück und Einkauf von Wasser und Snacks trafen wir uns um 11:30h in der Reception unseres Hotels in Erenhot. Kurz darauf kam Chan mit unseren Pässen, wir beluden die Autos und fuhren Richtung chinesisch – mongolische Grenze. Von Claudia, unserer Reiseleiterin, sind wir ‚gewarnt’ worden, dass die Grenzformalitäten bis zu 10 Stunden dauern können, da wir die Fahrzeuge wieder aus China exportieren, die chinesischen Nummern retournieren und die hinterlegten Garantien im Betrag von CHF 200'000.00 pro Fahrzeug von den Grenzbehörden wieder freigegeben werden mussten. Die bedeutete unendlicher Papierkram, unendliches Warten und hartnäckiges Verhandeln unserer Begleiter, da dies absolut nicht ein täglicher Prozess für die Grenzbehörden war.
Was wir aber während des stundenlangen Wartens geboten bekamen, war einmalig! Kleine russische Yaz (russische Jeeps) vollgepackt mit Waren und besetzt mit bis zu 10 Personen drängelten sich in 2 bis 3 Kolonnen zur Grenze. Da der Platz in den Wägelchen nicht ausreichte, wurden Pakete unter das Auto gebunden, im Motorraum verstaut, hinten ans Fahrzeug geseilt, aufs Dach gepackt und unter die Sitzbänke gezwängt. Auf den Sitzbänken sassen die Passagiere aufeinander, vorne sassen neben dem Fahrer 3 weitere Personen, die Türen wurden zugehalten oder zugebunden. Auch der technische Zustand war kaum zu unterbieten: die Motörchen rochelten, dängelten, russten und vieles klapperte. Wenn ein Motor nicht mehr startete, schob das hintere Auto mit der Stossstange einfach an. Ein paar liefen gar nicht mehr und wurden über die Grenze geschleppt. Live Fernsehen pur!!
Auch die Lastwagen waren einmalig. Von klapprigen alten Armeelastwagen mit übergrossen und ungebremsten Anhängern bis neueren Sattelschleppern sah man alles. Der grösste Teil dieser Lastwagen war (für uns) total überladen, die Ladung hing seitlich oder hinten hinaus, war mit Seilen und Ketten befestigt und mit losen Tüchern abgedeckt. Manchmal schafften es diese Ungetüme kaum durch die zum Teil schlammigen Fahrspuren und Löcher und mussten mehrmals ansetzen, um den Anhänger aus den Löchern rauszureissen. Unglaublich!!
So waren die Stunden des Wartens für uns doch sehr abwechslungsreich und nach 6 Stunden an der chinesischen Grenze waren alle Papiere soweit bereit, dass wir China verlassen konnten. Wir suchten einen Weg zwischen den Unmengen von Yaz und Lastwagen und fuhren  bis zur mongolischen Grenze, wo dann der zweite Teil des Papierkrams begann. Dank ‚carnet de passage’ des TCS war es dann aber doch etwas einfacher, sodass wir nach gut 1.5h auch diese Formalitäten erledigt hatten und endgültig in die Mongolei einfahren konnten.
Nach wenigen Kilometern erreichten wir dann den Tagesziel-Ort, Zamiin Uud, bezogen ein einfaches Hotel und trafen unsere Begleitmannschaft, die uns mit ihrem Lastwagen durch die Mongolei begleiten wird. Der Koch der Mannschaft bereitete uns im Hotel bereits das erste Nachtessen, welches uns allen sehr gut schmeckte. Das kommt gut!
Zum Abschluss des Tages spazierten wir noch zum Bahnhof von Zamiin Uud, wo gerade ein Zug der Mongolian Railway abgefertigt wurde. Morgen früh um 07:10 wird der Trans-Sibirien-Express in Zamiin Uud einfahren. Wir werden dort sein!

Mittwoch, 6. Juli 2011

01-Jul-2011


Ort:                     Erenhot, China
Zeit:                    10:00h lokal
Wetter:               sonnig, ca 25°

In der Nacht vom 29. auf 30. Juni erstes heftiges Gewitter. Hat gut getan: Luft wieder klar und wesentlich kühler.
Am Morgen des 30.6. sind wir zu den Grotten von Datong gefahren. Diese sind berühmt für die vielen hundert Buddhas, die zum Teil in Höhlen, z.T. in Halbhöhlen aus dem Fels geschlagen worden sind. Gemäss unserer Reiseleitung bestand diese Sehenswürdigkeit vor gut einem Jahr nur aus einem kleinen Parkplatz, einem Eingangstor und einem unbefestigten Fussweg zu den Grotten. Heute erwartet einem ein riesiger Parkplatz, eine schöne Parkanlage, eine grosse neue Tempelanlage und wunderschön angelegte Fusswege; einfach so rasch aus dem Boden gestampft!
Die Grotten selber sind sensationell. Aus dem weichen Fels sind Grotten und riesige Buddhas geschlagen worden, an den Wänden der Grotten befinden sich filigrane Steinmetz-Arbeiten, die meistens wieder Buddhas in verschiedensten Arten und Funktionen darstellen. Eine überwältigende Menge Eindrücke!
Nach gut 2h haben wir dann die lange Fahrt von rund 450km nach Erenhot in Angriff genommen. Grössenteils sind wir sehr schnell und gut auf tadellos ausgebauten neuen Autobahnen vorangekommen, teilweise mussten wir wegen Baustellen auf enge und schlecht erhaltene Strassen ausweichen. So durchquerten wir die praktisch flache Hochebene (auf rund 1200müM) der sehr trockenen Inneren Mongolei bis wir gegen Abend bei einer aufziehenden Gewitterfront vor unserem Hotel in Erenhot eintrafen. Kurzer Zimmerbezug, und dann gings zu einem gemeinsamen Nachtessen, wo uns Chan wieder massenweise Food bestellte (diesmal hauptsächlich Dumplings). Wie immer war es super und wie immer konnten wir (leider) nicht alles bereitgestellte Essen auch wirklich verzehren. Es war einfach zu viel!
Heute steht der Grenzübertritt von China nach der Mongolei auf dem Programm. Gemäss Reiseleitung ist wegen dem „Export“ der Fahrzeuge, Abgabe der Nummern, Rückforderung der Kaution für Fahrzeuge, Passkontrolle etc. mit zwischen 5 und 10h zu rechnen. Genug Zeit um Einzukaufen, Blog zu schreiben, Fotos zu sortieren und zu beschriften, zusammen sitzen und schwatzen. Mehr dann später….